In den Gassen der Medina – Marrakesch, Marokko

Es ist heiß! 40 Grad Celsius um genau zu sein. Trotz zweitem Mal duschen klebt das T-Shirt wie eine zweite Haut am Körper. Zwar hält die Überdachung der Gasse, in der wir stehen, die Sonne ab, allerdings vernichtet sie auch jede Chance auf ein bisschen Luftzug. Links und rechts werden aus Geschäften allerlei Waren angeboten. Ledertaschen, Bastlampen, Tontassen und -teller, Kunstwerke, Webstoffe, Gewürze, Essen – die Läden reichen weit in den Weg hinein, sodass er kaum mehr als 2 Meter breit sein kann.

In den Gassen der Medina Marrakeschs | Foto: Ines Maidel, 2025

Händler preisen ihre Waren, sprechen uns an, sind penetrant. Hört der eine auf, kommt schon der Nächste auf uns zu. Menschen laufen, rennen schon fast in die eine oder andere Richtung an uns vorbei. Andere wollen uns den Weg zeigen, rufen „This is no way! Come here. I show you the way.“, wohl wissend, dass sie aus uns Touristen Profit schlagen können. Rollerfahrer drängen sich dazwischen, hupen, fluchen. Ein vor einen Karren gespannter Esel schlägt aus. Ihm ist das Gedränge wohl zu viel. Es grenzt an ein Wunder nicht überfahren oder überrannt zu werden. Es funktioniert irgendwie, die Menschen nehmen trotz allem Rücksicht aufeinander.

Kein Durchkommen – immer wieder passiert es, dass die Straßen vollständig blockiert sind, weil jeder zuerst fahren oder laufen möchte | Foto: Marius Rodi, 2025

Während wir durch die Gassen laufen drängt sich uns eine Kakophonie an Gerüchen auf. Von links wehen Gewürznoten zu uns herüber. Ras el-Hanout, Curry, Kurkuma, Sternanis, Pfeffer, Thymian und frische Minze. Rechts verströmt ein vor Ledertaschen überquellender Laden eine Mischung aus typischem Ledergeruch und stinkenden Gerbstoffüberresten. Vor uns werden auf Holzkohle Tajine und Köftespieße gebraten. Ein kleiner Eingang führt in einen Keller zu einem großen Ofen. Hier wird Wasser für das angrenzende Hammam erhitzt, daneben wird frisches Brot rausgebacken. Rauch steht in den Gassen, ist allgegenwärtig. Hinter uns ertönt das metallische Klirren von Hämmern. Ein Handwerker produziert Messinglampen. Es wird geschweißt, der metallisch, verbrannte Geruch mischt sich unter.

Ein Künstler zeigt seine Gemälde. Freundlich und herzlich wie alle anderen, war er einer der Wenigen, von denen wir den Eindruck hatten, dass er uns sein Handwerk zeigen will und wir nichts kaufen müssen | Foto: Marius Rodi, 2025

Von außen betrachtet ist es das totale Chaos. Ein Überforderung aller Sinne zur gleichen Zeit. Wir brauchen Pause, müssen uns die Stadt in erträgliche Dosen aufteilen. Für die Menschen der Medina Marrakeschs ist es Alltag. Hier spielt sich ihr ganzes Leben ab. Sie bringen die Stadt zum Pulsieren, machen sie unvergleichlich, besonders, für uns so aufregend.

Der Sonnenuntergang auf dem Djemaa el Fna | Foto: Marius Rodi, 2025